Ganz großes Kino

Der Genz Benz Black Pearl

Mit dem Release des El Diablo hat Genz Benz bereits im letzten Jahr den Beweis angetreten, dass man in Scottsdale/Arizona weiß wo der (Metal) Hammer hängt. Jetzt holt die amerikanische Ampschmiede zum nächsten Schlag aus und präsentiert einen Boutique Class A Vollröhrencombo für Gourmets: Den Black Pearl. Ob der Name den Nagel auch diesmal wieder auf den Kopf trifft erfährst du in unserem folgenden PG Test.

Der Black Pearl 30 ist in drei Versionen erhältlich: Als 1x12“ Combo, 2x12“ Combo und als kompaktes Head. Wir haben die Netze ausgeworfen und uns für unseren Test den 1x12“ Combo an Land gezogen.

Das offen konstruierte Gehäuse des 24 Kg schweren Verstärkers (Abmessungen: 52.07cm x 55.88cm x 30.48cm) besteht aus hochwertigem, mit dezent gemasertem Kunstleder bezogenen Birkensperrholz (13-schichtig) – ist damit also schon mal State of the art! In Schwingung versetzt wird die Edeldruckkammer durch einen von Eminence entwickelten 12" Alnico Red Fang™ Speaker. Der hochwertige Zwölfzöller atmet durch eine oval ausgeschnittene und ebenfalls in schwarzem Leder gekleidete Frontplatte. Um den Lautsprecher vor all zu neugierigen Blicken (und den Unbilden des Alltags) zu schützen hat Genz Benz sein Atemloch mit einem engmaschig gewirkten grauen Bespannstoff verschlossen. Für die Verteidigung des kompletten Gehäuses wurden acht verchromte Metallecken abgestellt.

Das Class A Herz des Amps schlägt in einem hochwertigen Stahlchassis, das von hinten in das Gehäuse geschoben und von oben verschraubt wurde. Das klassischen Class A Design des Amps bietet einen 100% reinen Vollröhren-Signalweg mit Röhrengleichrichtung. In der Endstufe arbeiten vier EL 84 Endstufenröhren, in der Vorstufe leuchten fünf 12AX/12AU7 um die Wette. Angetrieben werden die Glühkörper durch einen hochwertigen, handgewickelten Custom-Transformator.

Für den Sound eines Amps spielt die Güte der verwendeten Bauteile und die Verarbeitungsqualität eine entscheidende Rolle. Und auch in dieser Hinsicht hat der Black Pearl alles an Bord, was man von einem edlen Boutique-Amp erwartet So sind hochwertige, robuste Platinen, mit präzise geführten point-to point Leiterbahnen (Schutz- und Kontaktschichten aus Gold) genauso selbstverständlich im Angebot, wie übersichtlich zusammengefasste Verdrahtungen und Custom Röhren-Sockel und Arretierungen! Der Black Pearl ist für die Ewigkeit gebaut!

Details

Die Basis für eine Top-Performance wäre also schon mal gelegt. Aber auch in Sachen Features haben sich die Genz Benz Designer keine ruhige Minute gegönnt. Denn Ziel war es einen Amp zu konstruieren der nicht nur richtig gut klingt – er sollte auch noch sehr flexibel einsetzbar sein. Die Flexibilität des Tones realisiert der Black Pearl mit einem speziell entwickelten passiven 3-Band EQ-Netzwerk. Da die Regler (Bass, Middle, Treble) dabei unabhängig voneinander arbeiten, wird eine zielgenaue Feinabstimmung des gelieferten Klangcharakters möglich. Die über dem Treble-Regler liegenden Frequenzen kontrolliert ein separater Top-Regler. Er arbeitet im Stil eines klassischen Presence-Reglers (im Bereich der Phase Inverter Stufe) und sorgt so für mehr Brillanz und Transparenz. Aber das ist noch nicht alles was der Black Pearl in Sachen „Klangformung“ zu bieten hat. Neben dem klassisch nach der Vorstufe positionierten 3-Band EQ hat Genz Benz dem Amp nämlich etwas ganz besonderes spendiert: Eine 5-Band Voicing-Klangregelung. Sie arbeitet im Bereich der Preamp-Gainstufe und beeinflusst so sehr intensiv den Grundcharakter des Vorstufensounds. Mit Thick, Dark, Natural, Bright und Deep stehen insgesamt fünf separate Voicing-Filter zur Verfügung. Weitere Detailinfos zur Arbeitsweise der Fünf findest du im Abschnitt „Praxis“.

Gain-Management

Doch eine effektive Klangregelung ist nur die halbe Miete. Um einen Amp stilistisch flexibel auszulegen muss auch das Gainniveau entsprechend ausgelegt und kontrollierbar sein. Die Gainkontrolle des Black Pearl übernehmen drei Instanzen: Der Volumeregler, der Boost-Levelregler und natürlich das Mastervolume. Mit dem Volumeregler lässt sich der Verstärkungsfaktor/ das Gain der Eingangsstufe einwählen. Der Boostlevelregler kontrolliert die Intensität des Boosteffekts. Da dieser über den Mode-Schalter auf dem Panel, oder den mitgelieferten Fußschalter schaltbar ist (Normal/Boost) kann man den Black Pearl wie einen 2-Kanaler nutzen. Im Normal-Modus geht es clean oder crunchy zur Sache, im Boost-Mode warten dann die stärker verzerrten Sounds auf ihren Einsatz.

Effektweg und integrierter Federhall

Und auch die Zusatzfeatures des Black Pearl machen seinem Namen alle Ehre. Da wäre zum einen der flexibel nutzbare Effektweg. Er ist seriell ausgelegt, das komplette Vorstufen-Signal verlässt also den Amp an der Send-Buchse, läuft durch das angeschlossene Effektgerät (Compressor etc.) und wird anschließend über die Return-Buchse zurück in den Amp und weiter zur Endstufe geleitet. Damit gewährleistet ist, dass nur das bearbeitete Effektsignal in der Endstufe verstärkt wird unterbricht ein in die Return-Buchse eingebauter Schalter den internen Signalweg sobald sie belegt wird. Parallel zur Verwendung als Effektweg ermöglicht diese Auslegung auch das Abgreifen des kompletten Preampsignals an der Sendbuchse zur Weiterverarbeitung in einem externen Verstärker. Und da die Return-Buchse direkt zur Endstufe des Black Pearl 30 führt und der interne Signalweg beim Einklinken unterbrochen wird, kann hier alternativ auch ein externer Preamp angeschlossen (und verstärkt) werden. Wer zwar auf externe Effekte aber keinesfalls auf ein räumliches Klangerlebnis verzichten möchte, für den hält der Black Pearl einen röhrengetriebener High Quality Federhall der Marke Accutronics (Long Pan 3-spiralig) bereit.

4/2 Tube Selector, Pentode/Triode Switch

Ein echtes Highlight fehlt aber noch. Um die Vorzüge eines Class A Amps optimal ausreizen zu können, ist eine in die Sättigung laufende Endstufe ein absolutes Muss. Da 30 Röhrenwatt aber gnadenlos laut sein können, ist nicht jedes Ambiente für eine solche Unternehmung geeignet. Um die heiß begehrte Endstufensättigung schon auf einem niedrigeren Lautstärken-Level nutzbar zu machen, hat Genz Benz dem Amp zwei effektive Zusatzfeatures spendiert: Den 4/2 Tube Selector Schalter und den Pentode/Triode Schalter. Die Schalter bieten die Möglichkeit die Ausgangsleistung des Amps in drei Stufen zu reduzieren (30W,15W,8W) .Ihre jeweiligen Arbeitsweisen sind dabei recht unterschiedlich. Der 4/2 Schalter nimmt die äußeren beiden Endstufen-Röhren aus dem Rennen und reduziert die Ausgangsleistung des Black Pearl so von 30 auf 15 Watt - ohne dabei den eigentlichen Grundklang des Amps zu verändern. Auch der Pentode/Triode Schalter reduziert die Ausgangsleistung der Endstufe von 30 auf 15 (oder, bei 2 Röhren Betrieb, von 15 auf 8 Watt). Da er allerdings dafür den Betriebs-Modus der Endstufen-Röhren verändert (Pentode/Triode),verändert er auch den Klangcharakter und die Performance des Black Pearl: Im Pentode-Mode (dem Standard-Modus der meisten Röhrenverstärker) liefert der Amp warme Clean-Sounds und eine klassisch, sahnige Overdrive-Performance. Im Triode-Modus wird der Sound voller. Die Endstufe fährt früher in die Sättigung - die Performance wird breiter, erhält mehr Dynamik und spricht noch subtiler auf Spieldetails an.Cool ist, dass die beiden Schalter betätigt werden können, ohne dass der Verstärker vorher ausgeschaltet werden müsste. Auf diese Weise werden sie zu echten Aktivposten auf der Suche nach dem ultimativen Sound.

Schaltbarer Lüfter

Das Problem bei Class A Amps ist, dass sie zwar super klingen, im Allgemeinen aber auch sehr heiß werden. Dies wiederum führt zu einer Reduktion der Lebenserwartung der Endstufenröhren. Aus diesem Grund hat Genz Benz dem Black Pearl einen schaltbaren Lüfter spendiert. Wenn es im 30 Watt Modus also mal richtig zur Sache gehen soll, einfach den Lüfter zuschalten und einen kühlen Kopf bewahren. Und keine Sorge: Trotz seiner Effektivität ( reduziert die Umgebungstemperatur der Röhren und des Chassis auf ca. 10° Celsius ) arbeitet er extrem leise, so dass man auch im Studio keine Probleme bekommen wird. Und falls man ihn doch nicht benötigen sollte kann man ihn ja immer noch abschalten.

Line Out

Ein frequenzkorrigierter Line-Out rundet das Zusatzangebot ab. Der Standard-Klinkenausgang liefert ein unsymmetriertes Signal, das nach Endstufe und Ausgangstrafo abgegriffen wird. Die Stärke des Signals ist abhängig von der Einstellung der Volume- und Mastervolume-Regler. Der Ausgang eignet sich ideal zum Anschluss eines externen Verstärkers. In Kombination mit einer D.I. Box lassen sich aber auch gute „Direkt-Ins-Pult“ Ergebnisse erzielen. Das gelieferte Signal ist frequenzkorrigiert und besitzt so die gleichen Klangeigenschaften wie der über eine Box gelieferte Original Amp-Sound – eine optimale Lösung für professionelle Recording- und P.A. Einsätze

Praxis

Als Testgitarre kamen eine MusicMan Axis SuperSport und eine Silhouette Special zum Einsatz. Wir starten unser Checkup im Pentode-Modus und deaktiviertem Booster. Master halb aufgedreht und Gain auf 9 Uhr. In diesem Setting liefert der Black Pearl selbst mit einem kräftigen Humbucker wie dem Bridge-DiMarzio der Axis sehr cleane Sounds mit einem glockigen Charakter und einer enormen Dynamik. Trotz des niedrigen Gainlevels reicht der Lautstärke-Headroom der 30 Watt Vollröhren-Endstufe aus, um die Clean-Sounds auch im Bandzusammenhang souverän in Front zu bringen. Mit Hilfe der effektiv und zielgenau zupackenden passiven 3-Band Klangregelung des Amps lassen sich alle erdenklichen Varianten zum Thema „Clean“ realisieren. Aber auch die Voicing-Regelung ist ein Menüpunkt auf den man nach einigem Experimentieren nicht mehr verzichten möchte. Am besten läuft es wenn man den gewünschten Sound mit einem der 5 Presets vorwählt und die Feinjustage mit dem 3-Band EQ erledigt. Aber zurück zum Gain!

Durch kontinuierliches Steigern des Gains kitzelt man die Endstufe des Amps mehr und mehr in die Sättigung. Im Bereich um zwölf Uhr macht sich ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Testers breit und wir genießen die unwiderstehliche Dynamik und Authentizität eines angechrunchten Class A Amps – ganz im Stil des großen britischen Vollröhrenmonuments VOX AC30. Auch hier zeigt die ausgefuchste Klangregelung ihre Vorzüge und so lässt sich der Grundsound in alle möglichen Richtungen drücken: Vom sahnigen, feinzeichnenden Blues (Voicing-Regler auf Dark, Mitten angehoben, Höhen abgesenkt) bis zur brillanten Akkordfläche ist alles drin. Den ultimativen Rockriff Crunch liefert der BlackPearl bei voll aufgerissenem Gain und dem Master auf zwei Uhr. Mit dem entsprechenden „Höhen-Support“ durch den Voicing-Schalter und reduzierten Mitten kann man in jeder AC/DC Coverband einen Topjob abliefern. Aber auch wer auf ehrliche, transparente und detailgetreu abbildende Bluesleadsounds steht, wird in diesem Setting bestens bedient. Wenn man mehr Wärme will wählt man das Dark-Setting und betont die Mitten und Bässe mit der Klangregelung - fertig. Zeit den Booster ins Spiel zu bringen. Mal sehen wie viel Verzerrung sich maximal aus dem Amp herauskitzeln lässt. Also den Boost-Level Regler synchron mit dem Gain voll aufdrehen und das Masterlevel auf Minimum 12 Uhr. Wow, ist das laut. Sollte es zu laut sein kann man alternativ ja immer noch zwei der vier Endstufenröhren aus dem Rennen nehmen. In diesem Setting wird der Black Pearl zu einem echten Rocker. Klar, knallharte Metalsounds sind natürlich nicht drin – aber dafür wurde der Black Pearl ja auch nicht gemacht. Wer aber Hardrock-Riffsounds mit Charakter sucht, der wird sich sehr wohl fühlen. Die wahre Domäne des Boost-Modes sind aber offene, fast dreidimensionale Blues-, und Rockleads. Mit dem Hals- oder dem Mittelsinglecoil der Silhouette geht in Texas die Sonne auf. Stevie Ray lässt heftig grüßen. Die Performance des Amps ist ein echter Genuss. Jede noch so kleine Nuance, jedes Spieldetail wird bereitwillig abgebildet, aber -und das ist typisch für Class A Amps – auch jeder Fehler und jede Unsauberkeit. Der Black Pearl ist eben eine ehrliche Haut. Aber ohne diese Eigenschaft wäre der Sound des Combos nicht so wie er ist: Unwiderstehlich! Richtig viel Spaß macht der Amp wenn man, parallel zum Gain und Boost, das Mastervolume aufreißt und die Dynamik und Zerrintensität der Performance mit dem Gitarren-Volume kontrolliert. Super!!! Bleibt uns noch die Beschreibung der Wirkung der Triodenschaltung. Durch Umschalten in diesen Modus wird der Grundsound des Amps etwas dunkler und er lässt sich schneller zur Verzerrung überreden. Alles in allem wird die Performance breiter und vielleicht sogar dynamischer. Doch die Variation des Spielgefühls ist schwer in Worte zu fassen. Am besten selber testen!

Fazit

Der Genz Benz Black Pearl ist ein Class A Boutique-Amp par Exellence. Durch den Einsatz hochwertiger und lupenrein ausgeführter Röhrentechnik, in Kombination, mit einem hochwertigen Gehäuse und einem 1 A Speaker ist es Genz Benz gelungen einen Amp mit Sounds auf höchstem Qualitätsniveau zu konstruieren. Ein breites Gainspektrum und zwei effektiv zupackende Klangregelungstools sorgen für eine stilistisch flexible Performance so dass, neben klassischen Class A Clean- und Crunchsounds, auch satte Lead-, und Riffsounds im Angebot sind – ehrlich, detailgetreu und unglaublich dynamisch. Zusatzfeatures wie ein röhrengetriebener Effektweg, ein hochwertiger Federhall und natürlich die Möglichkeit die Leistung und den Betriebsmodus der Endstufenröhren zu reduzieren/zu verändern runden das Setup ab und machen den Black Pearl zu einem Füllhorn klassischer Gitarrensounds. Wer einen Amp sucht der in der Lage ist die Eigenschaften von Spieler und Instrument unverfälscht und plastisch an die Luft zu setzen und dabei ein breites Klangspektrum bereitstellt, der sollte sich beim Genz Benz Black Pearl unbedingt mal einklinken.

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